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Oftmals, wenn es langsam Herbst wird und die Tage kürzer werden, geht der Kirchenchor Bruder Klaus auf Reisen! Dieses Jahr führte uns unser Reiseleiter und Organisator Geri Iten ins „andere Tessin“, ein viel versprechender Titel. Die Kantonshauptstadt Bellinzona und Umgebung war unser Ziel und: wir sollten nicht enttäuscht werden!
Am frühen Samstagmorgen fuhren wir via Axenstrasse Richtung Gotthard, wo wir uns – wie erwartet – wegen eines kleineren Staus vor der Röhre die erste kleine Verspätung einhandelten. Gross war jedoch die Freude, als uns in Airolo strahlender Sonnenschein begrüsste!
Der Morgen war ganz im Sinne von uns Damen gestaltet, mit einem Besuch des illusteren Marktes in den Gassen von Bellinzona. Doch lange durften wir nicht verweilen, vor dem Mittagessen war nämlich noch eine Luftseilbahnfahrt geplant!
Alle sassen wir im Car bereit, alle? Oh Schreck, unser Ehrengast, unsere Konzertmeisterin fehlte! Einige wollten sie am Treffpunkt gesehen haben , es fing ein Rätselraten an, wo und warum ……..man versuchte es mit dem Handy……..wer hat die Nummer …… doch zu guter letzt fand unser Präses Michael das verlorene Schäflein und - mit einer Verspätung von einer halben Stunde - erreichten wir die Talstation der kleinen Luftseilbahn auf den Monte Carasso.
Wen wunderts, dass der Kondukteur bereits beim Mittagessen war? Unser Reiseleiter brachte es jedoch fertig, dass er zur Bahn zurück kehrte und bald schwebten jeweils acht Personen in der Gondel Richtung Curzütt. Was für ein wunderschöner Ort! Es hiess in der Mittelstation aussteigen, auch das kein leichtes Unterfangen: Die letzte Staffel Passagiere verpasste es tatsächlich, den Aussteigeknopf zu drücken und schon flog die Kabine weiter den Berg hinauf! Nun, eine kleine Verspätung mehr oder weniger fiel kaum ins Gewicht………wir warteten also geduldig auf die letzten KollegInnen. Schwer fiel es uns nicht, durften wir doch im Ostello Curzütt im Freien Platz nehmen und uns auf ein typisches Tessinermenu ( Polenta!) freuen.
Frisch gestärkt marschierten wir anschliessend zur ehemaligen Pfarrkirche von Monte Carasso: San Bernardo. Die wunderschöne Holzdecke und die renovierten Fresken erfreuten unsere Augen, unser Gesang im Chor erfreute unsere und unserer Zuhörer Herzen. Froh machten wir uns alsbald auf den Abstieg Richtung Tal, über Stock und manchen Stein gelangten wir zu einem wahrhaft idyllischen Ort, wo uns Kaffee, Getränke und diverse Kuchen erwarteten. Glücklich, wer an diesem Ort zu Hause ist! Wir genossen nicht nur die Gastfreundschaft unseres Reiseleiters und seiner Partnerin, wir bewunderten auch die blühende Natur und die herrliche Aussicht ins Tal. Nochmals hiess es talwärts marschieren, wo wir müde aber glücklich in unseren Car stiegen, der uns zu unserer Bleibe für die Nacht führte.
Nach einer exquisiten Mahlzeit im Hotel La Perla beglückte uns das Trio „ROPIAR“( Romana, Pius, Armon ) mit schwungvollen und melancholischen Melodien, übergehend zu Tessiner und anderen Liedern, die aus vollen Kehlen gesungen wurden, bis auch die letzten Nachtschwärmer zur Ruhe gingen.
Am Bettagmorgen durften wir in der Pfarrkirche von Giubiasco – San Bartolomeo – zu Gottes Lob singen und wieder war es unsere Primgeigerin Romana, welche mit ihrem einfühlsamen und virtuosen Geigenspiel einen musikalischen Höhepunkt setzte. Als Dank spendierte uns der Pfarrer einen Aperitivo, dem wir - im Freien sitzend - nicht abgeneigt waren. Aber schon bald hiess es: auf zur Stadtbesichtigung!
Paolo Germann, ein schweizerdeutsch sprechender Tessiner (!) führte uns kompetent durch Bellinzonas Strassen und Plätze, zeigte uns hier ein historisches Haus und dort eine alte Befestigungsmauer. Längere Zeit verweilten wir in der katholischen Kirche, wo wir - vor allem unser Organist Pius – die Orgel bewunderten und vom anwesenden Organisten selber weitere Informationen zu hören bekamen.
Mit dem Lift gelangten wir anschliessend zum „Castello Grande“, einem der drei Schlösser Bellinzonas. In dessen Garten bestaunten wir eine eigenwillige Ausstellung eines Locarneser Künstlers, dessen Skulpturen zum Nachdenken anregten. Ein herrlicher Blick über die Stadt und hinauf zu den zwei höher gelegenen Schlössern rundete das Bild ab. Wir erfuhren einiges über die Bedeutung dieser ersten Tessiner Stadt, die dank ihrer geographischen Lage zu Ansehen gekommen war.
Zu Fuss gelangten wir wieder hinunter ins Zentrum, jedoch nicht, bevor uns Herr Germann noch eine Geschichtslektion erteilte, und uns von den Römern, den Herzögen von Mailand und den Langobarden, der Schlacht von Arbedo und dem Sieg bei Giornico erzählte, von den Habsburgern und den Eidgenossen, die dem Tessin jedoch nicht nur Gutes gebracht hatten.
Unser treuer Chauffeur brachte uns danach, nach einem gewagten Manöver in einer engen Kurve, ins Ristorante Emerenzia, einer typischen Tessiner-Beiz, in deren mit Trauben behangenen Pergola wir unsere letzte Mahlzeit, eine feine Pizza, einnehmen durften.
Glücklich und zufrieden traten wir – wieder mit etwas Verspätung – die Heimreise an. Diesmal über den Gotthardpass! Die letzten Sonnenstrahlen verliessen uns kurz vor der Passhöhe und wir tauchten ein in den Nebel, der uns eine Temperatur von 7 Grad brachte. Eingewickelt in unsere Jacken verliessen wir unseren Car, um uns noch das „Gotthard-Museum“ zu Gemüte zu führen. Auch wenn wir müde waren, dieser Besuch hat sich gelohnt! Die historische, wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung dieses wichtigen Passes wurde uns auf eindrückliche Art und Weise gezeigt und die abschliessende Tonbildschau hat so vieles wieder in Erinnerung gerufen!
Mit eisigem Wind und sage und schreibe einem Grad flüchteten wir anschliessend in unseren Car und fuhren - anregende Gespräche führend – zurück ins Zugerland. Eine wunderschöne, interessante, reich befrachtete Reise war zu Ende: Danke Geri, danke allen, die zum guten Gelingen beigetragen haben.
Maria Gianella
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